
Am 13. Juni 2008 fand zum zweiten Mal eine Diplomfeier statt. Diesmal konnten sechs Mädchen und zehn Jungs am Ende ihrer 3-jährigen Ausbildung voller Freude ihr Abschlusszeugnis entgegennehmen. Kibidula hat zwei dieser jungen Frauen gebeten, als Gruppenleiterinnen für die neuen Schüler zu dienen. Ein anderer Abgänger wird die vielen Bäume Kibidulas unter seiner Aufsicht und Pflege haben.
Wir haben im letzten Jahr versucht, unseren Abgängern einen staatlichen Abschluss zu ermöglichen. Im November 2007 fand die erste einer dreiteiligen Prüfung statt. Dabei haben bis auf einen alle diese erste Hürde im ersten Anlauf geschafft. Die Schüler erhalten für jede bestandene Stufe einen Fähigkeitsausweis. Sie halten also etwas in der Hand, das für sie wichtig ist. Wir versuchen ihnen jedoch beizubringen, dass ihr Charakter und ihre Einstellung für ihre zukünftige Laufbahn grössere Bedeutung haben. Diesbezüglich dürfen wir glücklicherweise bezeugen, dass bei einigen unserer Schüler diese Ausbildung Früchte trägt.

Der zweite Jahrgang (2006-2009) zeigt vor allem bei den Jungs etwas weniger Einsatz. Leider haben hier einige Schüler den Kurs vorzeitig verlassen. Die Mädchen jedoch machen gut mit und wir hoffen, in einem Jahr auch bei ihnen erfolgreiche Abgängerinnen zu haben. Letztes Jahr haben wir 19 neue Schüler aufgenommen (10 Mädchen und 9 Jungs). Dabei haben wir eine kleine Änderung im Programm vorgenommen. Die Grundausbildung wird nur noch 2 Jahre dauern, wobei wir für die besten Schüler ein drittes Jahr anbieten, bei welchem sie mehr Verantwortung erhalten und eine engere Zusammenarbeit mit den Leitern erfahren können. Dies soll ihnen mehr Praxiserfahrung bieten.
Ende Juni, nach dem Schulende, fanden die Aufnahmegespräche für die neuen Schüler statt. Es ist nicht einfach, die richtige Auswahl zu treffen. Es besteht grundsätzlich viel Interesse, man weiss jedoch oft nicht mit Sicherheit, ob dieses Interesse auch anhält. Unsere einheimischen Leiter müssen für die Beurteilung ein gutes Gespür entwickeln.

Mit den neuen Lehrfarmen, die dieses Jahr in Betrieb genommen werden, ergibt sich eine Neuorganisation unseres Schulbetriebs. Zwei Lehrfarmen mit je 16 Plätzen sind für die männlichen Schüler bestimmt, die dritte kann bis zu 24 Mädchen aufnehmen.
Betreut wird jede Farm von einem erfahrenen einheimischen Gruppenleiter. Ihm zur Seite stehen ein bis zwei Gruppenleiter, die selber den Kurs besucht haben. Ausserdem planen wir, in jeder Lehrfarm einen Studentenmissionar mit den Schülern zusammen leben zu lassen, der mit ihnen Englisch spricht und den Alltag teilt. Die Lehrfarmen dienen dazu, in einer möglichst praxisnahen Umgebung Erfahrungen zu sammeln. Die Schüler sollen vieles selber anbauen und einen hohen Selbstversorgungsgrad erreichen. Felder und Gärten wurden in der letzten Regenzeit angelegt und die Vorbereitungen für die nächste Saison sind in vollem Gang. Die Wohngebäude sind fertiggestellt, es fehlen jedoch noch diverse Nebengebäude wie Stallungen, Geräte- und Vorratshäuser usw. Wir hoffen, dass im jetzt begonnen neuen Schuljahr davon einiges realisiert werden kann. Es ist für die Schüler wie für die Leiter eine neue Erfahrung und Herausforderung, die wir jedoch alle motiviert angehen.

Der Agronom, der im Mai die theoretischen und praktischen Prüfungen in Gartenbau und Viehwirtschaft abnahm, hielt den Schülern am Ende des zweiten Prüfungstages ein kurze Rede. Darin ermutigte er sie eindringlich, die Zeit in Kibidula in vollem Mass auszunutzen. Sie würden nirgendwo anders eine so breit gefächerte und praxisbezogene Ausbildung erhalten. In einem Gebiet so gross wie die Schweiz sind wir die einzige Institution mit einer derartigen landwirtschaftlichen Ausbildung für Jugendliche ohne höhere Schulbildung (Sekundarschule und höher). Dies war eine Ermutigung, nicht nur für die Schüler, sondern auch für alle Leiter.

Wie erwähnt müssen diverse Nebengebäude erstellt werden. Die Bienenhaltung wurde schon vor einem Jahr aufgenommen, wir durften auch den ersten Honig geniessen. Hier wollen wir bessere Bienenkästen einführen und damit die Produktion und Qualität verbessern. Unsere ersten Schulabgänger haben ausserdem den Wunsch geäussert, in regelmässigen Ehemaligen-Treffen ihr Wissen aufzufrischen und Erfahrungen auszutauschen. Wir werden versuchen, solche Treffen anzubieten.
Die Verantwortlichen von Kibidula möchten REACH Schweiz ihren herzlichen Dank aussprechen. Die REACH-Patenschaften ermöglichen den tansanischen Jugendlichen eine Ausbildung, die sie sonst nicht hätten!
Projektleiter: Jean-Luc Waber, September 2008