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Bulletin vom Juni 2008

Neuigkeiten aus Thailand

Flüchtlingslager Wankha Camp

Konzentriertes Lernen in der Flüchtlingsschule im Wankha Camp
Konzentriertes Lernen in der Flüchtlingsschule im Wankha Camp

Seit über 2 Monaten befinden wir uns in Mae Sot. Alle Projekte laufen gut. Wir werden aber mit immer neuen Problemen konfrontiert. Wie wir im Bulletin Frühling 2007 berichtet haben, übernehmen etwa sieben Länder tausende von burmesischen Flüchtlingen. Da alle Länder (Amerika, Kanada, Japan, Schweden, Norwegen, Dänemark, Australien…) Flüchtlinge mit einer guten Bildung bevorzugen, hinterlässt dies grosse Spuren. So sind wir mit der Tatsache konfrontiert, dass auch viele Lehrer/innen die Gelegenheit wahrgenommen haben, um einmal in Frieden und Freiheit leben zu dürfen. Für unsere Leiter vor Ort bedeutet das viel Mehrarbeit, denn sie müssen immer wieder neue Lehrpersonen rekrutieren. Da der Termin der Ausreise immer sehr kurzfristig bekannt gegeben wird, ist es sehr schwierig, für die Zukunft zu planen. Diese Ungewissheit betrifft auch die Schüler und ihre Familien. Diese Situation bringt auch für uns Schwierigkeiten, da immer wieder Patenschaften ausgewechselt werden müssen. Bitte haben Sie Verständnis dafür. In der momentanen Situation würde es unsere Arbeit erleichtern, wenn wir für die Flüchtlingslager Projektpatenschaften anstelle von Kinderpatenschaften haben könnten.

Flüchtlingslager – einige unserer Waisenkinder vor ihrem Heim
Flüchtlingslager – einige unserer Waisenkinder vor ihrem Heim

Es ist nicht so, dass wir weniger Kinder haben, die eine gute Schulausbildung benötigen, denn seit den letzten Unruhen und Kämpfen in Burma (2007) mussten wieder viele Menschen über die Grenze fliehen. Von zwei Flüchtlingslagern wissen wir, dass seit letztem Oktober je 4000 Personen mehr da sind. Die meisten neuen Flüchtlinge sind noch nicht offiziell registriert und bekommen daher auch noch kein Essen.

Gerne möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick in unsere Arbeit vor Ort geben. Beim Aufenthalt in einem unserer Waisenhäuser berichteten uns die Heimleiter, dass ein 17-jähriger Junge nach einem Unfall vor einer Woche im Lagerspital liege. Er war sehr hilfsbereit gewesen und hatte beim Abladen von Holzstämmen mitgeholfen. Ein Stamm war vom Lastwagen gerollt und auf sein Knie gefallen. Bei unserem Besuch lag der Junge mit hohem Fieber und stark geschwollenem Knie auf seiner Pritsche. Seine Mutter wusch ihn dauernd, um ihn abzukühlen. Nach längeren Bemühungen und Diskussionen mit dem Arzt konnten wir veranlassen, dass er nach Mae-Sot ins Spital gebracht wurde. Als er dort mit seiner Mutter eintraf, begleiteten wir sie und halfen ihnen, bis er schliesslich operiert wurde. Da diese Familie auch zu diesen 8000 neuen Flüchtlingen gehört und nichts besitzt, war sie auf unsere Hilfe dringend angewiesen. In Burma war es nicht möglich, immer die Schule zu besuchen. Darum ist er mit seinen siebzehn Jahren erst in der fünften Klasse. Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir auch älteren Jugendlichen die Möglic hkeit geben, einen Schulabschluss zu machen.

Sohn mit amputiertem Bein im Spital von Mae Sot
Sohn mit amputiertem Bein im Spital von Mae Sot

Die Operation verlief erfolgreich, und er konnte nach einigen Tagen ins Lager zurückkehren. Bevor die Mutter das Spital verliess, entdeckte sie zu ihrem Schrecken, dass ihr zwanzigjähriger Sohn auch hier lag. Er war im Dschungel auf der Suche nach wildem Chili auf eine Mine getreten. Ein Bein war ihm unterhalb des Knies weggerissen worden. Ausserdem war er von vielen Splittern getroffen worden. Freunde hatten ihn drei Stunden bis über die thailändische Grenze getragen, wo er sofort ins Spital gebracht worden war. Als wir davon erfuhren, besuchten wir auch diesen Sohn im Spital und halfen ihm weiter. Diese Mutter hat sechs Söhne. Zwei sind verheiratet und leben in einem Flüchtlingslager. Zwei hat sie in Burma durch Malaria verloren und nun kam noch diese Geschichte mit den zwei jüngsten dazu.

Um weiter optimal helfen zu können, haben wir dieses Jahr mit der Renovation eines grossen Schulhauses angefangen. Zudem wird ein Waisenhaus abgerissen, vergrössert und neu aufgebaut.

Wohnheime für thailändische Bergbauernkinder

Unsere zwei Wohnheime sind sehr begehrt und voll belegt. Der Schwerpunkt unserer diesjährigen Arbeit bestand in einigen baulichen Veränderungen und speziell im Ausbau unserer Gemüsegärtnerei. Da wir die grosse Baumaschine auf dem Gelände hatten, konnten wir drei neue Quellen ausheben.

Kanachue Dormitory – ein Teil der Vergrösserung des Gemüsegartens
Kanachue Dormitory – ein Teil der Vergrösserung des Gemüsegartens

Wir wissen, dass wir diese Arbeit ohne die Unterstützung von Pateneltern, Sponsoren und freiwilligen Mitarbeitern niemals machen könnten. Die Basareinnahmen tragen ebenfalls viel dazu bei. Im Namen aller Kinder und Eltern in den Projekten danken wir Ihnen von ganzem Herzen.

Kanachue Dormitory – Kinder und Eltern am Schulschlussfest
Kanachue Dormitory – Kinder und Eltern am Schulschlussfest

Trudy und Walter Steinmeier
Projektbetreuer für Thailand


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